Die historische Entwicklung der Gartenstraße

Die Gartenstraße

 

Die Trassierung der als breiter Weg mit leichten Windungen ab 1806 auf herrschaftliche Kosten hergerichteten Gartenstraße steht sowohl in Zusammenhang mit der Anlage des Schlossgartens als auch mit der klassizistischen Umgestaltung der Stadtzugänge nach der Wallniederlegung. Eine nach Abriss des alten Torhauses 1816 von Slevogt vorgelegte Planung, die der Straße stadtseitig einen würdigen Abschluss geben sollte, blieb aufgrund anderer dringenderer Bauaufgaben nach der französischen Besatzung unausgeführt. Nachdrücklich dokumentiert sich die Absicht, eine  städtebaulich repräsentative Eingangssituation zu schaffen darin, dass den Bauherren an der Gartenstraße, überwiegend Hofbeamten, die Grundstücke unter der Bedingung einer klassizistischen Fassadengestaltung ihrer Häuser günstig überlassen werden sollten; dies wohl insbesondere im Interesse eines homogenen Architekturprospekts, der, einbezogen in die Gartenkonzeption, wirkungsvolle Ausblicke bot. 1)

 

Die Bebauung bis zum Eversten Holz mit stattlichen, zumeist weit zurückgesetzten Gebäuden innerhalb des adäquaten Rahmens großzügig bemessener Grundstücke war um die Jahrhundertmitte abgeschlossen. Als Element der ursprünglichen Konzeption stellen die Vorgärten mit ihrem Baumbestand und die rückwärtigen Hausgärten einen unverzichtbaren Gestaltungsfaktor des Gesamtbildes dar, das teilweise inzwischen durch die Umwandlung von Gartenflächen in gepflasterte Autostellplätze gestört wird. 1)

 

Verbindendes Glied zwischen Kasinoplatz und Gartenstraße war das 1807 als erstes errichtete Haus des Oberappellationsrats Runge, das 1961 zugunsten einer neuen Verkehrsführung abgebrochen wurde, so daß die städtebaulich bedeutsame Eckausbildung verlorenging. Insgesamt sind acht Häuser der Erstbebauung verlorengegangen, von denen drei im ersten Jahrzehnt des 20. Jh. durch Gebäude ersetzt wurden, die sich trotz des stilistischen Unterschieds in den Villencharakter der Straße einfügen, während die flachgedeckten, z. T. viergeschossigen Ersatzbauten der sechziger und siebziger Jahre, vor allem an der östlichen Einmündung der Bismarckstraße  und zwischen den Grundstücken Nr. 14 und Nr. 18, als ausgesprochene Fremdkörper im Straßenbild erscheinen. 1)

 

Am ungestörtesten von der erhaltenen, frühen Bebauung haben die beiden zweigeschossigen Walmdachbauten zu fünf Achsen Nr. 11 (erb. 1838) und Nr. 14 (erb. um 1838) ihre strenge und klare klassizistische Fassadengestaltung bewahren können, in die spätere Anbauten nicht eingriffen (bei Haus Nr. 11 1898 rückwärtige Erweiterung durch Baurat H. Frühstück; bei Haus Nr. 14 rückwärtiger Anbau 1910 durch Gildemeister und Sunkel). Charakterisiert werden die Gebäude durch flachgeneigte, vorkragende Walmdächer, welche die lagernde Wirkung des Baukubus ebenso akzentuieren wie der von Gurt- und Sohlbankgesims ausgegrenzte breite Wandstreifen und die horizontalen Fensterverdachungen im Obergeschoß, dessen glatte Putzfläche sich vom fugenschnittüberzogenen Erdgeschoss abhebt. 1)

 

Stärker schmückendes Beiwerk in Form vegetabiler Stuckornamentik in den Brüstungsfeldern des Obergeschosses und Festons in dem niedrigen Attikageschoss zeichnet das wohl um 1850 entstandene, vierachsige Haus Gartenstraße 6 aus. Die in diesen Gebäuden betonte architektonische Auffassung kubischer Körperlichkeiten vertreten außerdem Gartenstraße 3 (erb. 1863) und Gartenstraße 2 (erb. 1852). Das erstgenannte wird jedoch durch seitliche Anbauten aus dem 1. Jahrhundert des 20. Jh. in seiner Fassadenwirkung beeinträchtigt; dem zweiten, mit einer Hervorhebung der drei Mittelachsen des Obergeschosses durch eine gebälktragende Bogenstellung, wurde durch eine wohl 1887 vorgenommene Aufstockung eine von der klassizistischen Kubatur völlig abweichende Proportion verliehen. 1)

 

Auch die jüngere Architektur blieb im Interesse eines geschlossenen Gesamteindrucks der klassizistischen Stilhaltung verpflichtet, beispielsweise Gartenstraße 30, das ohne jeden plastischen Schmuck 1868 durch H. Frühstück d. Ä. errichtet und 1906 nach Osten erweitert wurde. Ebenfalls als vierachsiges, walmgedecktes entwarf Frühstück 1875 das Nachbargebäude Nr. 28, das 1903 durch Hinzufügung einer zurückgesetzten, östlichen Eingangsachse, eines Mansarddachs sowie dekorativer Details späthistoristischen Vorstellungen angeglichen wurde. In diesen Kontext gehören des weiteren die drei Gebäude Nr. 33 (erb. 1860, Arch. H. Frühstück d.Ä.), Nr. 34 (erb. 1886, Arch. F. Schöttler) und Nr. 35 (erb. 1877) auf der Südseite der Gartenstraße, deren versetzte Anordnung die leichte Biegung an der Einmündung von Tauben- und Dobbenstraße nachvollzieht. Dabei weicht das fünfachsige Haus Nr. 35, das ebenso wie Haus Nr. 33 rundbogige Erdgeschossfenster mit gußeiserner Oberlichtteilung besitzt, am weitesten von klassizistischen Gestaltungsprinzipien ab, da hier das Flächenkontinuum durch eine rhythmisierende Gliederung aus Lisenen und Gesimsen in einzelne Felder mit eigener Binnenstruktur unterteilt wird, die im Erdgeschoß durch eine Pilasterrahmung der Fenster und im Obergeschoß durch Fensterverdachungen sowie einen abschließenden Fries zur Reliefierung der Fassade beiträgt. 1)

 

 

 

< Fortsetzung folgt >

 

 


 

Quellen:

1) Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Band 31,

Stadt Oldenburg (Oldenburg) bearbeitet von Doris Böker,

Verlag CW Niemeyer, Hameln 1993

Zitate mit freundlicher Genehmigung des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalschutz

 

 


 

 

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