Öffentliche Gebäude im Dobbenviertel

Das Oldenburgische Staatstheater

 

Im Zusammenhang mit der Anlage eines großbürgerlichen Wohnviertels westlich des Theaterwalls, dem Dobbenviertel, wurde 1879-81 nach Plänen von G. Schnitger als dessen zweites Großbauprojekt unmittelbar südlich des alten Theaters ein Theaterneubau errichtet (Theaterwall 19). Er brannte zehn Jahre später aus, wurde aber von 1891-93 durch den Architekten Paul Zimmer wiederaufgebaut, der sich im wesentlichen an dem in spätklassizistischen Formen unter Verwendung palladianischer Motive ausgeführten Entwurf Schnittgers orientierte. Auf Zimmer geht jedoch die das Straßenbild des Theaterwalls dominierende laternenbekrönte Gratkuppel über dem Bühnenhaus zurück, das  ursprünglich ein abgeflachter Walm schloss. Auch die Innenausstattung erneuerte er abweichend von den originalen Renaissanceformen in üppigem Rokokodekor.1)

Drei Gebäudegruppen werden durch den gemeinsamen Unterbau aus rustiziertem Sockel- und Erdgeschoss zusammengefügt. Im Westen ragt das durch Blindfenster gegliederte Bühnenhaus auf, seitlich begleitet von niedrigeren, dreiachsigen Flügelbauten. Ihm schließt sich nach Osten das Zuschauerhaus mit hufeisenförmig angeordneten Rängen an, dessen durch eine Balustrade abgeschlossenes Obergeschoss in gleichförmiger Reihung von Rundbogenfenstern zwischen korinthischen Pilastern gestaltet ist. Schließlich folgt der Foyerbau mit einachsigen Seitenrisaliten (ursprünglich Treppenhäuser), dem im Obergeschoss gegen den Theaterwall ein pfeilergerahmter Portikus mit vier korinthischen Säulen vorgelegt ist. Das von H. Boschen modellierte Tympanonrelief stellt Apoll mit Thalia und Melpomene, Bacchus mit dem Panther sowie Psyche mit der Sphinx dar. Die Fassade hinter der Säulenstellung nimmt über den drei Rundbogentüren die Büsten von Goethe, Lessing und Schiller auf. Der Abbruch der Vordertreppe 1959 zugunsten einer Verbreiterung des Theaterwalls sowie schließlich die Beseitigung aller Seiteneingänge anlässlich der Errichtung eines nördlichen Foyeranbaus (1973/74) beeinträchtigen heute die harmonische Wirkung des schon allein aufgrund seiner Baumasse imponierenden Komplexes.1)

 


 

 

Theodor-Tantzen-Platz mit ehemaligem Ministerial- und Landtags-Gebäude

 

Seit Einrichtung von Landtag und Staatsministerium im Jahre 1848 trat in zunehmenden Maße die Problematik einer adäquaten Unterbringung dieser den veränderten politischen Strukturen Rechnung tragenden Institutionen zutage. Ein erster, 1861 - 63 von H. D. Hillerns für das Areal westlich des Theaters  entwickelter Lösungsvorschlag wurde nicht verwirklicht. Erst 1908, nachdem im Jahr zuvor das Grundstück südlich des Wittschieben Teichs als Bauplatz gewählt worden war, wurde durch die Ausschreibung eines Wettbewerbs der Neubau eines gemeinsamen Verwaltungsgebäudes für Landtag und Staatsministerium vorbereitet. Für ihren Entwurf eines durch weiße Sandsteingliederungen belebten, dreigeschossigen Ziegelbaus erhielten Paul Bonatz und sein Kompagnon Friedrich Eugen Scholer einen zweiten Preis (ein erster Preis wurde nicht vergeben). Nach einer langwierigen Planungsphase wurden Bonatz und Scholer 1912 mit der Projektierung von nun zwei, auf benachbarten Grundstücken stehenden Gebäuden beauftragt, die von 1914 - 17 ausgeführt wurden.1)

 

Das Ministerialgebäude (Theodor-Tantzen-Platz 8) wurde, weit zurückgesetzt von der Hindenburgstraße, unmittelbar südlich des Wittschieben Teichs errichtet, dessen Ufer reguliert wurde. Es ist als Dreiflügelanlage mit viergeschossigem Hauptbau von 27 Achsen und zwei dreigeschossigen Flügeln unter Walmdächern konzipiert, die einen nach Süden geöffneten Platz mit halbrunder Auffahrt in der Art eines Ehrenhofs begrenzen. Die formale Gestaltung beschränkt sich auf wenige Motive neoklassizistischer Provenienz: Breite kolossale Lisenen zwischen den Fensterachsen der beiden Untergeschosse und die auf Volutenkonsolen ruhenden Dreieckgiebelverdachungen der Fenster des zweiten Obergeschosses unterstreichen die strenge Reihung der rechteckigen Fensterachsen. Zwischen den Lisenen und dem ebenso wie der niedrige Gebäudesockel in Muschelkalk gearbeiteten Sohlbankgesims der Fenster im zweiten Obergeschoss betont ein breiter Wandstreifen die Horizontalerstreckung, der gleich einem Gebälk die Obergeschosse zu tragen scheint. Gegen die in Spritzputz unauffällig gehaltene Oberflächenstruktur des Baukörpers mit seinem aufgrund der Formenreduktion Distanz und Schlichtheit gleichermaßen vermittelnden Ausdruck hebt sich in heroischer Pose die mittige, auf Muschelkalksäulen ruhende Vorhalle ab. Die Kapitellform erinnert an Palmenkapitelle der altägyptischen Tempelbaukunst, deren zeitliches Überdauern einen Ewigkeitswert symbolisiert, der mit der Entlehnung des Säulenzitats als Anspruch auf den Bau des Ministeriums und den ihn repräsentierenden Staat übertragen wird.1)

 

Bei dem im rechten Winkel zum Ministerium westlich der Tappenbeckstraße errichteten Landtag (Tappenbeckstr. 1) wird das Hoheitsmotiv der Säulenhalle zum zentralen Bedeutungsträger. In übersteigerter Dimensionierung übergreift die Anlage aus zehn ionischen Säulen alle Geschosse und schneidet sogar mit ihrem Attikaaufsatz in die Dachfläche ein. Der kubische, dreigeschossige Baukörper tritt dagegen in seiner Schlichtheit mit dem hohen, konkav ausschwingenden Walmdach als Element traditionsbezogener Architektur optisch zurück. Für die dem Kaiserteich zugewandte Westseite wählten die Architekten ein an palladianische Villenarchitektur erinnerndes Motiv in Form eines geschoßübergreifenden Portikus, wobei die Säulen allerdings wieder in ägyptisierender Manier gehalten sind.1)

 

Die beiden Bauten, die nach den - auch die Restaurierung der Fresken Bernhard Winters in der Wandelhalle des Landtages einbeziehenen - Umbauarbeiten von 1976 - 78 als Verwaltungsgebäude der Bezirksregierung Weser-Ems dienen, stellen die in Oldenburg bedeutendsten Vertreter einer der nach 1900 einsetzenden architektonischen Hauptrichtungen dar, in der sich sachlich-neoklassizistische Schlichtheit mit einem monumentalen Pathos verband, das insbesondere durch Reminiszenzen an antike oder ägyptische Tempelfronten effektvoll in Szene gesetzt wurde.1)

 

Für den Platz vor den Gebäuden, der 1953 nach dem letzten oldenburgischen Ministerpräsidenten, Theodor Tantzen (1877 -1947), benannt wurde, hatten Staatsministerium und das Architektenpaar Bonatz/Scholer ein gemeinsames Konzept erarbeitet. Zweireihige Baumpflanzungen aus Rosskastanien an Hindenburg-, Propping- und Tappenbeckstraße rahmen den Platz ein, wobei die Bepflanzung der beiden Südecken an der Hindenburgstraße vierreihig angelegt ist. Die Baumreihen im Westen und Osten sind heute nicht mehr vollständig vorhanden. Entsprechend der U-Form des Ministerialgebäudes wurde der Platz in drei Flächen untergliedert. Die beiden den Seitenflügeln vor gelagerten Kompartimente  sollten als Rasenstücke mit schmaler Einfassung durch Rosenbeete angelegt werden. Das große, als abgesenkte Rasenfläche ausgeführte mittlere Querrechteck war ursprünglich als Wasserfläche geplant, die nach Süden von der abschließenden Allee durch zwei Rasenstücke getrennt werden sollte, zwischen denen die Aufstellung eines Brunnens vorgesehen war. Die halbrunde Auffahrt zwischen den Flügeln wurde als torartige Situation durch die beidseitige Bepflanzung mit jeweils drei Linden hervorgehoben. In den Winkeln zwischen Hauptbau und Seitenflügeln pflanzte man jeweils eine Rhododendrongruppe. Da der Platz mit seiner ruhigen und regelmäßigen Gestaltung, die das würdevolle Erscheinungsbild der beiden Gebäude von ehemaligem Landtag und Staatsministerium unterstreicht, nahezu unverändert erhalten ist, bildet das Ensemble ein wichtiges städtebauliches Zeugnis staatlicher Repräsentationsbaukunst zur Zeit des Ersten Weltkrieges.1)

 

In der Mittelachse des Hauptflügels am Südrand des Platzes fand 1960 das Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des 91. Infanterieregiments Aufstellung, das ursprünglich 1921 vor der Wache am Schlossplatz stand und mit seiner Höhe von fast fünf Metern in diesem enger umgrenzten Raum wohl ungleich beeindruckender wirkte. Der Entwurf stammt von dem durch das Bismarck-Denkmal (1901) in Hamburg bekannt gewordenen Bildhauer Hugo Lederer, der hier auf eine eigene Arbeit, den Wettbewerbsentwurf von 1911 für ein Bismarck-Nationaldenkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück, zurückgriff. Die Einheit aus wuchtigem Sandsteinsockel (Steinmetzarbeit von Herford und Krause) und stilisierender Zeichnung des auf seinen Hinterbeinen sitzenden Löwen aus Muschelkalk verleiht dem Denkmal einen heroischen Ausdruck.1)

 

Über der Verbindung zwischen den beiden Dobbenteichen wurde 1915 nach Plänen von Baurat Noack eine Bogenbrücke in Eisenbeton ausgeführt, die 1982/83 durch einen das originale Vorbild aufgreifenden Neubau ersetzt wurde.1)

 

Auflösung der Bezirksregierung zum 01.01.2005


 

 

Öffentliche Gebäude im Dobbenviertel

Das östliche, in der Hauptsache durch seine historistische Wohnhausbebauung charakterisierte Dobbenviertel besitzt nur wenige öffentliche Gebäude, in erster Linie Schulen, mit deren Errichtung westlich des Stadtgrabens die Aufsiedlung des Dobbengeländes im letzten Viertel des 19. Jh. eingeleitet wurde. Unter städtebaulichem Aspekt betrachtet, nehmen insbesondere die Cäcilienschule, heute als Probenhaus des Staatstheaters genutzt, und das alte Gymnasium westlich des Theaterwalls die wichtigste Funktion eines Bindeglieds zwischen Altstadtkern und Stadterweiterungsgebiet ein.1)

 

 

Die ehemalige Cäcilienschule

 

Als erste öffentliche höhere Mädchenschule im Großherzogtum Oldenburg entstand in den Jahren 1866/67 auf dem ehemaligen Ravelin "Gänsenest" die Cäcilienschule (Theaterwall 31), benannt nach der Großherzogin Cäcilie, die das Protektorat über 1836 vom Herzogshaus gegründete, bis dahin im Haus Damm 2 untergebrachte Vorläuferin innegehabt hatte. Dem Bau war 1866 eine vom Magistrat veranstaltete Konkurrenz vorausgegangen, deren Vorgabe einen Ziegelbau in einfachen, edlen Formen unter Vermeidung überflüssiger Verzierungen forderte. Als besten Entwurf bewertete man denjenigen des Berliner Architekten J. H. Strack. Unter der Bauleitung H. Frühstück d.Ä. wurde über zweibündigem Grundriss ein schlichter Backsteinbau von sieben Achsen errichtet, die im Erdgeschoss stichbogig, im Obergeschoss rundbogig ausgebildet sind. Eine Rhythmisierung der zum Theaterwall ausgerichteten Traufseite als Hauptfassade wird durch das Zusammenrücken der beiden äußeren Fensterpaare und der drei Mittelfenster erzielt. Während auf eine vertikale Gliederung verzichtet wird, erfolgt durch die Lagen glasierter Ziegel und den geschosstrennenden Fries in Fischgrätmuster eine Betonung der Horizontalen. Der Mittelrisalit der südlichen Schmalseite, im Obergeschoss durch ein zweibandiges Rundbogenfenster mit bekrönendem Kreis hervorgehoben, nimmt den Eingang auf. In den seitlichen, durch eine Ziegelziersetzung quadratisch ausgegrenzten Wandfeldern des Obergeschosses sitzt jeweils mittig ein Tondo mit den Portraits der Großherzogin Cäcilie und des Prinzen Peter, des Initiators der ersten Schulgründung. Im rechten Winkel zum Nordende des Hauptbaus wurde 1897 nach Osten ein zweigeschossiges Erweiterungsgebäude unter Satteldach angefügt, dessen formale Gestaltung mit Stichbogenfenstern und Ziegelziersetzungen dem Hauptbau angeglichen wurde.1)

 

 

Herbartgymnasium

 

Gleichzeitig mit der Cäcilienschule war auch schon der Neubau einer höheren Bürgerschule ins Auge gefasst worden. Als Bauplatz entschied man sich für das Gelände der Haarenbleiche, deren Gebäude (ehemals auf dem Herbartplatz) auf Abbruch verkauft wurden. Statt einen bereits von Hillerns angefertigten Vorentwurf ausarbeiten zu lassen, entschloss sich der Magistrat 1870 zu einer Wettbewerbsausschreibung mit der Vorgabe, die Schule als Ziegelrohbau zu projektieren. Zur Ausführung gelangte 1871/72 westlich der Herbartstraße, die erst 1876 über die Schule hinaus nach Süden verlängert wurde, der in Formen des Rundbogenstils gehaltene Entwurf von H. Frühstück (Herbartstr. 4). Die Schule nahm zunächst Real- und Vorschule auf, wurde 1885 in eine Oberrealschule umgewandelt und trägt seit 1988 den Namen Herbartgymnasium.1)

 

Das aus der Straßenfluchtlinie zurückgesetzte Gebäude, ein 21-achsiger Haupttrakt mit kurzen Seitenflügeln nach Westen, besaß ursprünglich nur zwei Geschosse, wurde 1923/24 um ein drittes erhöht, dessen Rundbogenfenster, lediglich noch im obersten Mittelrisalitgeschoß erhalten, während der Nachkriegszeit zuungunsten der Gesamtwirkung durch Rechteckfenster ersetzt wurden. Der Nordflügel erhielt 1938 einen Turnahllen-/Aulaanbau in zeittypischer einfacher Formensprache. Im Gegensatz zu dem stark veränderten Erscheinungsbild der Rückfassade, zu dem insbesondere eine Erweiterung des Jahres 1979 beiträgt, ist die originale Gestaltung der östlichen Hauptfassade an der Herbartstraße noch gut ablesbar. Sie wird in konventioneller Weise von einem dreiachsigen Mittelrisalit und ebenso breiten Eckrisaliten symmetrisch gegliedert. Die Risalite fassen im Erdgeschoß rechteckige, im Obergeschoß polygonale Wandvorlagen ein, die ursprünglich die Traufe mit dem reichgestalteten Kranzgesims überragten. Den Mittelrisalit krönte zusätzlich eine Laterne. In Unterscheidung zur schlichten Gestaltung des Erdgeschosses wird das durch ein Gesims abgetrennte Obergeschoß hervorgehoben, indem Bogenbegleitprofile die Fenster zu Dreiergruppen zusammenfassen. Die geputzten Brüstungsfelder, gerahmt von kleinen kannelierten Pilastern, erhalten ein Rankenmuster. Mit Tondi geschmückte Wandfelder an den Seitenflügleln erinnern an die Gestaltung der Cäcilienschule.1)

 

 

Herbartplatz

 

Das zur Haarenbleiche gehörende Grundstück westlich der Realschule, das im Westen an den Stadtgraben, im Süden an die alte Cäcilienschule grenzt, sollte zunächst zum botanischen Garten der Schule hergerichtet werden, doch wurde statt dessen der Plan realisiert, dem in Oldenburg geborenen Philosophen und Pädagogen Johann Friedrich Herbart (1776-1841) an dieser Stelle ein Denkmal zu setzen. Die überlebensgroße Bronzebüste auf poliertem Granitsockel, eine Arbeit des zu dieser Zeit in Berlin ansässigen Bildhauers Heinrich Manger, fand an Herbarts 100. Geburtstag in der zur Schule führenden Wegeachse Aufstellung. Die gartenkünstlerische Gestaltung mit einem den Grünbereich erschließenden Rundweg wurde 1877-79 nach Plänen des Hofgärtners Heinrich Ohrt  ausgeführt.1)

 

 

Altes Gymnasium

 

Als dritter Schulneubau an der westlichen Peripherie der Altstadt wurde 1873 die Errichtung des Oldenburger Gymnasiums auf einem Grundstück der ehemaligen Wallanlagen südlich des Theaters beschlossen (Theaterwall 11). Ab 1814 war das aus der 1573 gegründeten Lateinschule hervorgegangene Gymnasium im Graf-Christopher-Haus untergebracht gewesen, dem 1552 für Graf Christopher (1504-1566) erbauten Adelshof an der Mühlenstraße, der als bedeutendstes Renaissancebaudenkmal Oldenburgs 1926 abgebrochen wurde. Trotz eines 1865 fertiggestellten Erweiterungsbaus an der Mühlenstraße war aufgrund der stark anwachsenden Schülerzahl ein Neubau, für den H. D. Hillerns Pläne liefern sollte, unumgänglich geworden. Die 1873 begonnenen, vorbereitenden Bauarbeiten wurden im folgenden Jahr eingestellt, da das inzwischen veränderte Konzept eines vergrößerten Raumprogramms die vom Landtag genehmigte Bausumme überstieg. Schließlich wurde die Ausführung 1876 dem staatlichen Bauinspektor H. L. W. Wege übertragen, der den Bau nach eigenen Plänen 1878 vollendete.1)

 

Mit der Begründung, gotische Formen seien zu dieser Zeit unpassend für den Bau eines Gymnasiums, kritisierte Hillerns, der selbst einen Bau in Formen des Rundbogenstils entworfen hatte, die historische Formgebung des Wegeschen Gebäudes. Tatsächlich unterscheidet sich der ursprünglich zweigeschossige Bau (Aufstockung in einer Stahl-Glas-Konstruktion von 1969) über dreiflügeligem Grundriß von den beiden bisher besprochenen Schulen durch eine differenziertere Gliederung der Flächen und eine stärkere Durchbildung im Detail, die jedoch eine auch von Hillerns vertretene Forderung nach materialgerechter Behandlung erfüllt.1)

 

Die zur Stadt orientierte Hauptfassade dominiert ein dreiachsiger Bauteil unter Satteldach, der hier als ein die Traufe überragender Risalit erscheint, rückwärtig aber tiefer hervortritt. Sein Obergeschoss nimmt die Aula mit der original erhaltenen Innenausstattung auf. Sie wird durch drei zweibahnige Rundbogenfenster mit bekrönendem Vierpaß belichtet, die dem Raum eine sakrale Aula verleihen. Als klare Trennung zwischen dem von Stichbogenfenstern belichteten Erdgeschoß und dem Obergeschoß mit Rundbogenfenstern umzieht ein abgeschrägtes Sohlbankgesims den Baukörper. Im Obergeschoß sind jeweils drei, mit Bogenbegleitprofil versehene Fenster, deren Brüstungen Steine in Vierpaßformen zieren, in einem seitlich von Lisenen und oben von einem Rundbogenfries gerahmten Feld zusammengefaßt.1)

 

Erweitert wurde die Schule 1926 durch eine Hauswartwohnung in östlichem Anschluß an den Haupttrakt, einen inzwischen erhöhten Klinkerbau des Südflügels, dessen Innenausstattung der damalige Kunsterzieher Niesmann übernahm, und 1979 durch Einfügungen zwischen Aulatrakt und Seitenflügeln. Die zu dem Gymnasium gehörende Turnhalle, die durch Strebepfeiler und rundbogige Zwillingsfenster gegliedert war, wurde 1980 zugunsten eines Neubaus abgebrochen.1)

 

 

Turnhalle am Haarenufer

 

Als qualitätsvolles Beispiel für die Gestaltung des späten Historismus mit seiner Freude an erzählerischen Details hat sich in exponierter Lage am Haarenufer (Nr. 9) die 1890 von den Architekten Freese und Backhaus für den Oldenburger Turnerbund (gegründet 1859) errichtete Turnahlle erhalten. Das Ziegelgebäude besteht aus einer langgestreckten, durch Wandvorlagen in Felder unterteilten Halle mit offenem Dachstuhl, die von großen Rundbogenfenstern belichtet wird. Straßenseitig schließt sich das zweigeschossige Vereinsheim an, dessen Eingangsvorbau mit einer auf zwei Mittelsäulen ruhenden Dreierarkatur im Erdgeschoß eine aufwendig detaillierte Fassade besitzt. De als Loggia gestaltete Mittelachse des Obergeschosses schließt ein Zwerchdach mit Schwebegiebel ab. Den Mittelteil rahmen zwei über quadratischem Grundriß erreichtet Türme mit drei Massivgeschossen, die innerhalb von Blendfeldern jeweils eine unterschiedliche Fenstergestaltung besitzen, und einem vorkragenden, niedrigen Fachwerkgeschoß unter flachgeneigtem Zeltdach. Seinen ästhetische Reiz verdankt das Gebäude u.a. dem Materialwechsel zwischen Ziegeln und Putzfeldern, die im Bereich der Loggia, der Arkatur und der Fensterzonen angeordnet und die teilweise von einer vegetabilen Ornamentik überzogen sind.1)

 

 

 


 

Quellen:

1) Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Band 31,

Stadt Oldenburg (Oldenburg) bearbeitet von Doris Böker,

Verlag CW Niemeyer, Hameln 1993

Zitate mit freundlicher Genehmigung des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalschutz

 

 


 

 

Startseite

Dobbenviertel 

Historie 

Architektur 

Wohngebäude