Die Straßen im Dobbenviertel

 

 

Bismarckstraße, Aufnahme vom Oktober 2012

 

Sämtliche Straßen der Stadt Oldenburg wurden vom Stadtarchivar Herrn Professor Dr. Dietrich Kohl im Sonderabdruck aus dem Oldenburger Jahrbuch für Altertumskunde und Landesgeschichte, Kunst und Kunstgewerbe 1919/20 erstmals veröffentlicht. Hieraus werden die Straßen des Dobbenviertels (ohne Korrektur der Rechtschreibung) zitiert, die bis dahin entstanden waren.

1977 erschien im Heinz Holzberg Verlag KG das Buch von Friedrich Schohusen "Die Oldenburger Straßennamen" ISBN 3 87358 090 X und später hierzu noch ein Nachtrag.

 

Bismarckstraße

Nach dem Dobbenbebauungsplan eine von den Straßen, die den Verkehr der Gartenstraße mit der Herbartstraße vermitteln sollten. 1876 das erste Haus; Dezember 16. beschließt der Magistrat, die von der Gartenstraße zwischen den Mutzenbecher'schen Häusern hindurch bis in die Herbartstraße führende Straße Bismarckstraße zu nennen. In den Namen der benachbarten Straßen suchte man gleichzeitig Roon und Moltke zu ehren. Im Einklang damit verwandte man während des Weltkrieges in dem weiter westlich gelegenen Stadtteil die Namen Hindenburg, Ludendorf und Emmich zur Benennung von Örtlichkeiten. Otto von Bismarck (1815 - 1898), 1862 preußischer Ministerpräsident, 1867 Bundeskanzler, 1870 - 1890 Reichskanzler, Schöpfer des Deutschen Reiches.

 

Brakmannsweg

Verbindet die "Vogelstange" mit der Tannenstraße. In einem Wegeverzeichnis von 1862 führt er zwar keinen Namen, doch muß er bereits im Volksmunde Brakmannsweg genannt worden sein, und zwar nach einem Bauernvogt Brackmann oder Brakmann, der 1834 und 1842 als hinter dem Gerberhofe wohnhaft angeführt wird. Ein 1800 unter den Interessenten eines Wasserzuges in der Gegend des Gerberhofes erwähnter Detmer Brackmann mag sein Vater gewesen sein. Amtlich erscheint der Name auf dem Stadtplan von 1901, vorher in den Adreßbüchern von 1880/81 an (im Einwohnerverzeichnis des Volksboten von 1880 wird das an der Straße stehende Haus noch zu Hinterm Gerberhof gerechnet).

 

Cäcilienplatz

Schon im Jahre 1860 schlug der Baurat Lasius in seinem Plan zu einer Bebauung der Dobben vor, auf den Wiesen hinter dem Theater einen geräumigen grünen Platz anzulegen, der als Mittelpunkt des neuen Stadtteils einen gartenmäßig anmutigen Charakter erhalten sollte. Als man 1876 sich entschloß, mit der Bebauung der Dobben Ernst zu machen, nahm man diesen Vorschlag auf, bestimmte aber den Platz zugleich für einen etwaigen Rathausneubau. Daher wurde er zunächst der Rathausplatz oder der sog. Rathausplatz genannt. Bis 1880 bildete er noch "eine Art Wüste, die bei jeder trockenen Jahreszeit und heftigem Winde einen förmlichen Sand- und Staubregen verursachte". Nunmehr aber wurde er mit "Platanen, Koniferen, Solitärbäumen, Gesträuchen usw. bepflanzt und ausgeschmückt" und 1885 die Straße an der Nordwestseite des Platzes gepflastert. Da inzwischen für das neue Rathaus der Marktplatz als Standort ausersehen war, so faßte der Magistrat am 12. Mai 1887 den Beschluß, "dem sog. Rathausplatz auf den Dobben den Namen Cäcilienplatz beizulegen unter Einschluß der an der Nordwestseite desselben vorbeiführenden die Cäcilienstraße mit der Bismarckstraße verbindenen Straße". Cäcilie, geb. 1807 zu Stockholm als Tochter des schwedischen Königs Gustav IV. Adolf, der 1809 durch eine Revolution den Thron verlor, kam 1831 als dritte Gemahlin des Großherzogs Paul Friedrich August nach Oldenburg, wo sie bereits 1844 starb. Sie ist nicht besonders volkstümlich gewesen, hat sich aber in engeren Kreisen durch ihre Milde und Herzensgüte Verehrung erworben, war wie ihre Namenspatronin sehr musikalisch und ist besonders durch die Komposition bekannt geworden, zu der Theodor von Kobbe den Text "Heil dir, o Oldenburg" verfaßte. Nach ihr ist zunächst die Cäcilienbrücke am Damm, später die 1866/67 erbaute Cäcilienschule genannt worden, und weiter ist der Name auf die dahinter gelegene Straße und von dieser dann auf den benachbarten Platz übergegangen.

Der Platz hat sich dank sorgfältiger Pflege zur schönsten Schmuckanlage der Stadt entwickelt. 1903 wurde dort der Kandelaber, 1906 der Brunnen, der, von Rauchheld entworfen und von Högl ausgeführt, die Landesausstellung von 1905 geziert hatte und von dem Verschönerungsverein erworben war, als des letzteren Geschenk an die Stadt aufgestellt. Die Anlagen wurden zeitgemäß umgestaltet und gut gehalten; namentlich suchte man durch Anlegung zahlreicher Rosenbeete Oldenburgs Ruf als Rosenstadt zu betonen.

 

Cäcilienstraße

Siehe Cäcilienplatz 

 

 

Dobbenstraße

1851 ein von der Gartenstraße nach den Dobben führender Heckengang zwischen Gärten, in denen Gartenhäuser standen, nach un nach mit Wohnhäusern bebaut, erst 1902/03 als gepflasterte Straße von der Stadt eingerichet. Sie endete ursprünglich an einem breiten von dem Abfluß des Overbeckschen Teiches, dem alten Unterlauf der Marsch- oder Hausbäke, herführenden Graben, erst durch die Anlegung der Teichstraße erhielt sie eine nähere Verbindung mit der Stadt. Ältester Name Ziegenweg, dann 2. Dobbenstraße (vgl. "Roggemannstraße"), seit dem 30. Jan. 1901 nach Magistratsbeschluß Dobbenstraße.

Die "dobbe" (nd., verwandt mit dep, deppen) ist eine Vertiefung, mit Wasser bedeckt oder versumpft, und wird gewöhnlich in der Mehrzahl gebraucht, daher der rückgebildete hochd. Singular "der Dobben". Sumpfige Gelände mit vielen Tümpeln und Wasserläufen wurden so genannt (vgl. auch die Bremer Dobben). Das Oldenburger Dobbengelände umfaßte den ganzen Raum zwischen dem Prinzessinweg und der Gartenstraße, dem Eversten Holz und der Ofener Straße. Es ist das frühere Inundationsgebiet der Haaren, deren ältester Lauf, vielfach schlauchartig erweitert, mitten hindurch floß und ursprünglich durch den heutigen Schloßgarten in die untere Hunte mündete, von der Gaststraße an den Stadtgraben bildend. Das ganze Gelände wurde durch Zuggräben in einzelne Dobben zerlegt, die nach ihren Eigentümern benannt waren. Die Stadt besaß im Osten nahe der Umwallung einen großen und einen kleinen Stadtdobben, hier gründete sie 1811 die Haarenbleiche (s. "Herbartstraße"). Wirtschaftlich wurden die Dobben meist als Wiesenland genutzt, im Winter waren sie oft vollständig mit Wasser bedeckt und lieferten bei Frost eine ausgedehnte Eisbahn. Erst Ende der 60er Jahre begann die Bebauung (s. darüber den allgemeinen Teil), die durch Aufschüttungen die alten topographischen Verhältnisse fast völlig verschleiert hat; gegenwärtig fällt auch der "Kaiserdobben" nördlich vom Gerberhof diesem Schicksal anheim. Der Gesamtname Dobben für die Gegend von der Gartenstraße nach Westen ist noch nicht vergessen. Sollte das einmal eintreten, so wird hoffentlich wenigstens noch die Dobbenstraße Träger der Erinnerung bleiben.

 

Fichtenstraße

Im März 1900 erhielt die kurz vorher angelegte Straße, an der bereits ein Neubau (Husmann) errichtet war, den Namen Fichtenstraße, vielleicht im Hinblick auf die Tannenstraße im Gerberhofviertel. 1906 wurde sie mit einem Pflaster versehen.

 

Gärtnerstraße

Diese Verbindung der Wichelnstraße mit dem Prinzessinweg hatte ursprünglich keinen besonderen Namen, da kein Haus daran stand. 1855 wird sie als "Fortsetzung der Wichelnstraße von der Wallmeisterwohnung bis an den Prinzessinweg" und als Privatweg bezeichnet, der nur von Fußgängern benutzt werden dürfe. An ihrer Nordseite entlang erstreckte sich bis 1910 eine Gärtnerei (Fahrenbach, früher Pleß, Wichelnstr. 13, Blumenladen Langestr. 68), die 1911 einging und in Hausplätze verwandelt wurde. Von 1912 an erscheint der Name Gärtnerstraße im Einwohnerbuche, dessen Entstehung durch obiges klar gestellt wird. 

 

Gartenstraße

Schon im 14. Jahrhundert bestand ein Weg, den die Herren von Eversten über die ihnen gehörenden Gründe in der Haaren-Hunteniederung zur Verbindung mit Burg und Stadt Oldenburg angelegt hatten. Im Jahre 1348 räumten sie den Bürgern und ihren Nachkommen das Mitbenutzungsrecht an diesem Wege ein, für den hier das Everstentor errichtet wurde. Dieser "Weg (oder Straße" 1608) außer dem Everstentore" war ein vielfach gekrümmter, im Winter oft unter Wasser stehender Landweg. An ihm lag im 17. Jahrhundert der große Herrengarten des Grafen Anton Günter (zwischen Everstenholz und jetziger Dobbenstraße), und im 18. Jahrhundert befanden sich hier auf beiden Seiten die Gärten wohlhabender Bürger. Die Anlegung des Schloßgartens unter Herzog Peter Friedrich Ludwig, der hierzu eine Reihe von Privatgärten ankaufte (von 1803 an), führte, um für die Westseite des Gartens eine feste ordentliche Grenze zu erhalten, zu einer Regulierung des Weges. Er wurde auf herrschaftliche Kosten begradigt, erhöht und gepflastert und so in eine regelrechte Straße verwandelt, die künftige Unterhaltung wurde den Anliegern auferlegt. Die Marschbäke, die ursprünglich den Weg durchschnitten und ihren Lauf am Everstenholz entlang zur Haaren gehabt hatte, wurde, um den Bau einer Brücke zu vermeiden und auch wohl zur Verwendung zu gärtnerischen Zwecken, durch den herrschaftlichen Garten geleitet.

1807 entstand an der neuen Straße, die ihren alten Namen, da das Everstentor vorläufig stehen blieb, einstweilen noch weiter führte, das erste Haus (Nr. 1, erbaut von Runde). Der weitere Anbau erfolgte erst 1817; dem nach Rückkehr des Herzogs aus der Verbannung sofort wieder in Angriff genommenen und 1819 vollendeten Schloßgarten gegenüber erhoben sich bald vornehme Privathäuser in geräumigen wohlgepflegten Gärten. Wohlbegründet musste es daher erscheinen, als die Straße 1833 amtlich den sogar in die neue Stadtordnung aufgenommenen Namen Gartenstraße erhielt. Diese wurde damals ausdrücklich noch zu den Vorstädten gerechnet. Erst nach völligem Abbruch und Verlegung des Tores an die Amtsgrenze beim Marschwege (1842) wurde die Straße mit der Stadt zunächst tatsächlich, später auch verwaltungsmäßig vereinigt.

 

Gerberhof

Die Gerberhütten der Schuhmacher und Kürschner, die bisher an der Haaren in der Nähe der Stadt gestanden hatten, wurden 1644 wegen Erweiterung der Festungswerke auf Verlangen der Regierung abgebrochen und nach einem Platze zwischen der Haarenmühle (Ammerländer Hof) und dem "Weinhofe" verlegt. Hier standen sie an einem Haarenarm, von dem jetzt nur noch ein schmaler Graben übrig ist. Ihr früherer Standort mag der 1603 erwähnte "Garberkamp" gewesen sein. Noch 1833 wohnten am Gerberhofe ein Lohgerber und zwei Schuhmacher. Der Weg nach dem Prinzessinwege wird zuerst 1837 genannt.

 

Haarenufer

Das Südufer des neuen nach den Freiheitskriegen angelegten Haarenbettes neben der Ofener Straße war lange Zeit unbebaut. Ein Feldweg führte bereits 1820 in einigem Abstande von dem Wasser bis in die Gegend der Herbartstraße, aber es standen noch keine Häuser daran. Nur vom Rummelwege und von der Haarenbleiche (s. "Herbartstraße") aus führten Brücken über die Haaren. Erst 1833 baute an der Westecke der heutigen Meinardusstraße Goens ein Wohnhaus und dahinter eine Lohgerberei, und es entstand eine dritte Brücke. Westlich von ihm siedelten sich allmählich andere an, die wie Goens das Land sämtlich von der Stadt zu Erbpacht erhielten, und fast jede Besitzung wurde durch eine besondere Brücke, wenigstens für den Fußgängerverkehr, mit der Ofener Straße verbunden. Ja, als der Zimmermeister Meyer (an der Ecke der heutigen Ratsherr Schulzestraße) sich 1853 auch den vor seinen Gründen liegenden Wegstreifen in Pacht geben ließ und in eine Gartenanlage verwandelte, folgten die anderen seinem Beispiel, und so wurde der westliche Teil des Weges von dem östlichen vollständig getrennt. Auch als nach der Bebauung der Haarenbleiche (1866 s. "Herbartstraße") der Weg zwischen Herbartstraße und der Goens'schen Besitzung für eine öffentliche Straße erklärt worden war und das Bedürfnis nach einer westlichen Verlängerung sich geltend machte, blieb dieses Verhältnis noch lange bestehen. 1894 stellte zwar der Magistrat den Antrag, den zwischen Rummelweg und Lindenallee liegenden Uferstreifen in einen Weg umzuwandeln, aber der Stadtrat ging nicht darauf ein. Erst als ein in der Nähe des Rummelweges wohnender Grundbesitzer in einer Beschwerde nachwies, daß die Stadt mit der Verpachtung der Wegstreifen einen Verstoß gegen einen Erbpachtvertrag von 1840 begangen, der den Erbpächern die Wegverbindung an der Haaren zugesichert habe, wurden die Pachtverträge bezüglich der Wegstreifen 1897 gekündigt und 1901/02 der Weg von der Lindenallee bis zum Rummelwege durchgelegt, wobei einige Brücken abgebrochen wurden. Er wurde nach einem Magistratsbeschluß vom 30. Jan. 1901 Haarenufer genannt. Die daran stehenden Häuser erhielten ihre eigene Numerierung, während sie bisher zur Ofener Straße gerechnet worden waren.

 

Hankenweg (eingegangen)

Im Wegeverzeichnis von 1862 heißt er: Fußweg vom Rummelwege nach der Wichelnstraße. Auf dem Stadtplan von 1901, dgl. auf dem Pharusplan ist er als Hankenweg verzeichnet nach dem Namen einer Wichelnstraße 1 wohnhaft gewesenen Familie (1894 Anna Hanken). Er führte zwischen niedrigen Wiesen und einer hohen Hecke hin und wurde von Spaziergängern viel benutzt. In Verbindung mit der Aufschüttung der Wiesen ist er eingegangen.

 

Herbartstraße

Als die Staubleiche infolge Verkaufs eines Teils der Bleiche zu Bauzwecken nicht mehr genügte, legte die Stadt 1811 auf den Dobben an der Haaren, in nächster Nähe der Stadt eine neue Bleiche mit Wohnhaus und Trockenhaus, wozu später ein Waschhaus trat, an und verpachtete diese an einen Bleicher. Die Gebäude standen auf dem jetzigen Herbartsplatze, von da führte eine als einziger Zugang zur Stadt ein Weg nach der Ofener Straße, die Haaren dort überbrückend. Das Bleichgelände dehnte sich nach Westen bis zur heutigen Meinardusstraße aus. Im Jahre 1866 faßte die Stadt den Plan, die an der Ofener Straße gelegenen Stücke der Haarenbleiche als Bauplätze auszutun, und 1868 entstand das erste Haus an der bisherigen "Bleicherstraße". Als dann 1871/72 die städtische Real-, jetzige Oberrealschule, hier errichtet war, mußte auch die Bleicherei verschwinden, die Gebäude wurden auf Abbruch verkauft, die dazu gehörigen Ländereien (Rest des Wöbckenschen Dobbens, die sog. Bullenwisch mit dem Gänseloch und die sog. Schwaneninsel) einzeln verpachtet. An Stelle der Bleiche sollte anfangs ein botanischer Garten für die Realschule angelegt werden, später tauchte der Gedanke auf, ihn zum Platz für das geplante Herbartsdenkmal zu wählen. Letzteres ist 1875 geschehen, und 1876 im hundertsten Geburtsjahre des Philosophen ist das Denkmal enthüllt worden. Die Herbartstraße hat ihren Namen aber schon vier Jahre früher erhalten, als von dem Denkmal noch gar nicht die Rede war. Am 19. September 1872 trat ein Artikel der Oldenburger Zeitung für den Gedanken ein, das Andenken an den großen Landsmann "auch in weiteren Kreisen wachzuerhalten durch eine "Herbartstraße", die recht passend zu einer Realschule führen würde". Diese Anregung hatte einen überraschend schnellen Erfolg, denn schon am 26. September beschloß der Magistrat, die von der Ofener Straße über die Gründe der vormaligen Haarenbleiche nach der Realschule führende Straße Herbartstraße zu nennen. Im folgenden Jahre erschien im Gemeindeblatt eine ausführlichere Begründung, worin außer persönlichen Nachrichten über Joh. Friedrich Herbart (geb. am 4. Mai 1776 als Sohn des Justizrats Herbart, wahrscheinlich im Hause Lange Straße 86 [Sartorius, Gedenktafel, die ebenso wie das Denkmal als Sterbetag fälschlich den 11. statt des 14. August angibt]), einige Stellen aus Herbarts "Umriß pädagogischer Vorlesungen" mitgeteilt wurden, die von seiner Wertschätzung der Realien zeugen. Der Straßenname mag eher die Wahl des Standortes für das Denkmal beeinflußt haben, wenn nicht schon der Befürworter der "Herbartstraße" zugleich auch, ohne es zu sagen, an ein später dort zu erbauendes Denkmal gedacht hat. - Die Fortsetzung der Herbartstraße über die Oberrealschule hinaus (zuerst "verlängerte Herbartstraße" genannt) ist dann von 1876 an im Zusammenhang mit dem großen Dobbenbauplan erfolgt.

 

Hindenburgstraße

Früher ein Teil der Roonstraße, umgetauft 1914 auf Beschluß der städtischen Körperschaften vom 22. September zur Ehrung des durch seine Erfolge auf dem östlichen Kriegsschauplatze berühmt gewordenen Feldherrn, des damaligen Generalobersten Paul von Beneckendorff und von Hindenburg, der zudem als Oberst des Oldenburgischen Infanterieregiments Nr. 91 von 1893 bis 1896 in Oldenburg gewohnt hatte (Cäcilienplatz Nr. 3). Im Jahre 1917 wurde die Beziehung Hindenburgs zur Stadt noch enger gestaltet durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts. In seinen Antworten auf diese Ehrungen bemerkte Hindenburg, daß er die drei in Oldenburg zugebrachten Jahre zu den schönsten seines Lebens rechne und die kernige deutsche Art der Bevölkerung ihm unvergeßlich geblieben sei. Und in seinem Memoirenwerk (Aus meinem Leben. 1920. S.59) heißt es: "Ich fand auch sonst (außer bei Hofe) überall gute Aufnahme und habe mich in der freundlichen Gartenstadt sehr wohl gefühlt. Die ruhige, schlichte Art der Bevölkerung sagte mir zu. Gern und dankbar denke ich daher an meine Oldenburger Zeit zurück. Die Gnade des Kaisers brachte mich zu meiner großen Freude an meinem 70jährigen Geburtstage (1917, Okt. 2) wieder mit meinem einstigen Regiment durch à la suite-Stellung in Verbindung. So zähle ich mich denn auch heute noch zu den Oldenburgern".

Wenn zu der Benennung der Straße anfangs die kriegerischen Erfolge Hindenburgs die Anregung gegeben hatten, so ist sie durch das herzliche Verhältnis des Generalfeldmarschalls zur Stadt Oldenburg, das aus diesen Worten spricht, in glänzendster Weise gerechtfertigt worden.

 

 

 

Holzweg

Weil ohne Anwohner, deren Häuser darauf münden, im Einwohnerbuch nicht genannt. Er verbindet die Taubenstraße mit dem Eversten Holze. Seinen Namen führt er seit 1895. In seinem Zuge verlief früher ein Graben, der mit einem von Overbecks Teich am Holze kommenden Abfluß zur alten Haaren in Verbindung stand.

 

Hooptsweg

In einem Wegeregister von 1862: "Weg vom Gerberhof nach dem Wege hinterm Gerberhof", der jetzigen Tannenstraße. Schon auf dem Plan von Hotes 1851 als Gang eingezeichnet. Genannt nach der Familie Hoopts, Gerberhof 1 (schon 1833 ein Zimmergesell "Hoops" unter den Hausbesitzern am Gerberhofe). Im Einwohnerbuch, weil ohne Anwohner, nicht aufgeführt. Auf dem Plan von 1901 mit dem Namen eingetragen.

 

Jahnstraße

Im Jahre 1909 erhielten der Zimmermeister Husmann und der Landmann vor Mohr die Erlaubnis, über ihre Gründe eine im Bauplan zwischen Haarenufer 20 und 21 vorgesehene Straße auf eine Länge von 100 Metern anzulegen. Nachdem die Straße 1910 fertiggestellt war, wird im September zum ersten Male in einer Kostenberechnung der Name Jahnstraße gebraucht, und am 13. Oktober heißt es in dem Stadtratsbeschluß betreffend Übernahme der Straße auf die Stadt: "... die Straße.., die den Namen Jahnstraße erhalten hat." Der Name ist vermutlich von den Unternehmern vorgeschlagen und vom Magistrat angenommen. Die Anregung dazu scheint das Denkmal des Turnvaters Jahn gegeben zu haben, das vor dem Heim des Oldenburger Turnerbundes am Haarenufer, allerdings in etwas größerer Entfernung von der Mündung der Jahnstraße, steht.

 

Lindenallee

Siehe Meinardusstraße 

Vom 7. Februar 1880 bis zum 12. Dezember 1905 trug diese Straße den Namen Lindenallee. Dann wurde sie wieder in Meinardusstraße umbenannt. Die Rückbenennung in Lindenallee fand erst am 1. Januar 1934 statt. Nur das südliche Stück bis zur Gartenstraße behielt den Namen Meinardusstraße. Mit Rücksicht auf den wachsenden Autoverkehr wurden die Linden (Tiliae) im April 1969 gefällt. 1974 machte die Lindenallee wieder von sich reden, als hier die "Bürgeraktion Dobben" neue Linden pflanzte, die allerdings nur wenige Tage standen, weil sie von den städtischen Behörden entfernt wurden.

 

Meinardusstraße

Seit 1833 führte über die Haaren eine Brücke nach den Gebäuden der Lohgerberei Goens und um diese herum ein Weg auf die Dobben. Bei der Bebauung der Haarenbleiche 1866 (s. "Herbartstraße") wurde der Ausbau des Weges zu einer Straße ins Auge gefaßt und Goens zur Abtretung eines Geländestreifens behufs Begradigung des Weges bewogen. Während der Aufschüttung des Dobbengeländes in den siebziger Jahren, wozu man das Material aus einer tiefen Ausschachtung auf den Wittschiebe'schen Wiesen hinter den Gärten am Haarenufer entnahm (jetzt Wittschiebes Teich), wurde der Weg allmählich nach Süden bis zum Everstenholze weitergebaut und 1879 daran das erste Haus gebaut (Wirtschaft von Pieper, nach dem der dahinter angelegte Teich benannt wurde, jetzt Nr. 62, Waldschlößchen). 1880 erklärten die Grundbesitzer "an der sog. Goensstraße, welche die Ofener Straße mit dem Everstenholze verbindet", daß sie beabsichtigten, auf dieser eine Lindenanpflanzung vorzunehmen, und baten den Magistrat, hierzu die Genehmigung zu erteilen und der Straße den Namen Lindenallee zu geben. Am 7. Febr. genehmigte der Magistrat das Gesuch unter der Voraussetzung, daß die Anpflanzungen wirklich vorgenommen werde, und zwar unter seiner Aufsicht. Nachdem die Anpflanzungen der Linden durch den Gärtner Husemann noch im selben Jahre erfolgt war, wurde der Name eingeführt, nach und nach entstanden auf beiden Seiten die Häuserreihen, wobei die Lohgerberei und Dampfmühle von Goens mit Wohnhaus und Garten vollständig verschwand.

Am 12. Dez. 1905 beschloß der Stadtrat auf Antrag des Magistrats, der Lindenallee zu Ehren des Oberintendanten Meinardus (der seinem hundertsten Geburtstag entgegensah) den Namen Meinardusstraße beizulegen. Am 18. Dez. baten die Anwohner der Lindenallee den Magistrat, den Beschluß zurückzunehmen, indem sie sich namentlich darauf beriefen, daß die Lindenanpflanzung seinerzeit auf Kosten der Hauseigentümer erfolgt sei, diese auch für die Herstellung der Brücke nach der Ofener Straße erhebliche Beiträge geleistet hätten und deswegen wohl vor der Änderung des Namens hätten gehört werden müssen. Nach Ablehnung dieser Eingabe (Dez. 20) wiederholten die Bittsteller ihren Antrag am 23. Dez. bei Magistrat und Stadtrat und begannen die Angelegenheit auch lebhaft in der Lokalpresse zu erörtern. Damit erreichten sie zunächst so viel, daß in der Sitzung der städtischen Kollegien vom 6. Jan. 1906 der Antrag des Magistrats, die Eingabe vom 23. Dez. 1905 für erledigt zu erklären, abgelehnt wurde, aber ebenso auch der Antrag eines Stadtratsmitgliedes, der bisherigen Lindenallee den Namen zu belassen und nur dem neu (nach Zuschüttung des Overbeckschen Teiches) am Rande des Everstenholzes angelegten Teil der Straße den Namen Meinardusstraße zu geben. Dieser letztere Gedanke wurde aber von den Bittstellern in einem Briefe an die Familie des Jubilars, dem inzwischen von dem am 12. Dez. 1905 gefaßten Beschluß in aller Form Mitteilung gemacht worden war, und in einer zweiten Eingabe an Magistrat und Stadtrat weiter verfolgt und sogar der Bürgerverein zur Unterstützung aufgeboten. Als dieser aber durch drei seiner Mitglieder seinen am 8. Febr. gefaßten Beschluß, daß er die Angelegenheit für eine die ganze Bürgerschaft angehende halte und um Bewilligung der Eingabe bitte, dem Oberbürgermeister mitteilen ließ, gab dieser die entschiedene Erklärung ab, daß eine Annahme der Petition ihn zum Rücktritt von seinem Amte veranlassen werde. Da man dies in der Bürgerschaft nicht wünschte, zog der Bürgerverein seinen Antrag am 18. Februar zurück, und am 27. d. M. wurde die ganze Angelegenheit, die eine Zeitlang sehr viel Staub aufgewirbelt hatte, in einer Sitzung der städtischen Körperschaften für erledigt erklärt. Es blieb also bei dem Namen Meinardusstraße. Die Anwohner suchten sich nun für die erlittene Niederlage schadlos zu halten, indem sie meist an ihren Häusern die noch heute dort zu sehenden Schilder mit der Aufschrift: "Vormals Lindenallee" anbrachten.

Zur Rückbenennung siehe Lindenallee

 

Moltkestraße

Am 16. Dezember 1876 beschloß der Magistrat, daß von den neu projektierten Straßen auf den sog. Dobben die von der Gartenstraße zwischen dem früher v. Beaulieu'schen und Ruhstrat'schen Hause bis zur Roonstraße führende Straße Moltkestraße heißen solle (vgl. "Bismarckstraße"). Im folgenden Jahre wurde das erste Haus an der Straße gebaut. Hellmut von Moltke (1800-1891), seit 1858 Chef des Großen Generalstabes, Verfasser der Kriegspläne 1864, 1866, 1870/71.

 

Ofener Straße

Nach der 1345 zuerst genannten Haarenmühle muß schon damals, mindestens aber seit deren Ankauf durch die Stadt (1375) ein Weg bestanden haben. 1506 wird dieser als "strathe vor der Harneporthen" erwähnt. In Akten des 18. Jahrhunderts heißt er "Winterweg nach der Haarenmühle". Er war auf einer Strecke ("Steinweg vorm Haaren Thor" 1725) gepflastert, übrigens aber in schlechtem Zustand. Von der Haarenmühle aus führte er weiter durch die Flußniederung, zunächst durch die Stadtgemeinheit, zur Stadtgrenze an der Wechloyer Bäke (westl. von der Wirtschaft zur Linde), nach Wechloy und weiterhin nach Ofen und Wehnen. Wegen häufiger Überflutung wurde diese Wegstrecke bald nach 1750 von den beteiligten Bauerschaften zum "Wechloyer Damm" erhöht. Der Weg hatte hiernach nur für den Verkehr zwischen der Stadt und ihrer westlichen Nachbarschaft Bedeutung, für den Fernverkehr, also mit Zwischenahn und dem Ammerlande, kam er nicht in Frage, diesem diente die Heerstraße über Alexandershaus nach Wiefelstede oder von Metjendorf aus nach Blexhaus nördlich vom Zwischenahner Meer. 1815 faßte aber Herzog Peter Friedrich Ludwig den Bau einer Staatschausee nach Zwischenahn ins Auge. Von 1816 bis 1819 wurde die Strecke bis zur Haarenmühle gebaut und mit den Ulmen bepflanzt, die, im Laufe der hundert Jahre zu machtvoller Höhe herangewachsen, heute den herrlichsten Schmuck der Straße bilden. Damals wurde auch der Lauf der Haaren, die bisher durch das Dobbengelände in den Stadtgraben geflossen war, unterhalb der Haarenmühle in ein neues Bett geleitet, das sich eng an die neue Straße anschloß und das Wasser nun beim Haarenvorwerks, des "Gestüts", auf dessen Gründen der ganze Stadtteil zwischen August- und Zeughausstraße, namentlich aber sämtliche dortigen Militärgebäude errichtet sind, und aus dessen einstigem Garten noch die efeuumsponnenen Eichen neben dem Artilleriekasino herübergrüßen. 1830 entstand das erste städtische Haus (Nr. 1, früher Oppermann, jetzt Methodistenkirche). 1833 folgten die Lohgerberei von Goens auf dem jenseitigen Ufer der Haaren und einige Häuser von Oppermann bis zur Auguststraße, die jetzt bis auf Nr. 11 durch neuere Bauten verdrängt sind, und in deren einem (Nr. 4) später der Dichter Julius Mosen wohnte und starb (1867, das Haus 1892 abgebrochen). Als Name für die Straße diente anfangs "Chaussee nach Zwischenahn" oder "nach Wehnen" oder "Haaren-Chaussee". Am 19. Mai 1856 beschloß der Magistrat, daß "die Zwischenahner Chaussee vom Haarentor bis zur Amtsgrenze künftig Ofener Straße heißen solle".  Über die Entwicklung des Haarenufers, das anfangs zur Ofener Straße gerechnet wurde, zu einer selbstständigen Straße (1901) siehe "Haarenufer".

 

Parkstraße

Die Straße, angelegt gemäß dem Dobbenbebauungsplan von 1876, erhielt ihren Namen durch Magistratsbeschluß vom Juli 1889. Erst 1896/97 ist sie gepflastert worden.

 

Prinzessinweg

In einer Akte von 1763, die von dem Verkauf städtischer Ländereien zwischen der Haarenmühle und dem sog. Staken im Eversten handelt, wird ein vor kurzem abgestochener "Mittel- oder Querweg" erwähnt, der den Oldenburg-Bloherweg (jetzt Ofener Chaussee) mit dem Eversten-Bloherweg (jetzt Bloherfelder Chaussee) miteinander verbindet. Dies ist offenbar der Prinzessinweg. Seinen Namen hat er wohl erst nach dem Einzug des neuen Herrscherhauses in Oldenburg nach einem weiblichen Mitgliede desselben1) erhalten; Näheres ist darüber nicht bekannt. Auf den Plänen erscheint der Weg von 1804 an, aber zunächst ohne Namen. Aktenmäßig belegt ist dieser erst 1828. Der südliche Teil des Weges gehört zur Gemeinde Eversten, der nördliche von der Gärtnerstraße bis zur Haaren zieht an der westlichen Stadtgrenze entlang und gehört mit den beiderseitigen Häusern zur "engeren Stadt".

1) Als solche kommen in Frage: Hedwig Elisabeth Charlotte (1759-1818), Tochter des Herzogs Friedrich August, ferner Amalie (1818-1875) und Friederike (1820-1891), Töchter des Großherzogs Paul Friedrich August.

 

Proppingstraße

Am 24. August 1920 haben Magistrat und Stadtrat beschlossen, der neu angelegten (einstweilen noch unbebauten) Straße, die in dem Raume zwischen der Ratsherr Schulzestraße und der Meinardusstraße von der Straße Unter den Eichen zur Hindenburgstraße führt, zu Ehren des am 15. April d. J. verstorbenen Ratsherrn Propping den Namen Proppingstraße zu verleihen. Georg Propping, geb. 1837, war von 1888 bis 1918 Magistratsmitglied und hat sich als solcher in allen Zweigen der städtischen Verwaltung, z. B. als langjähriger Verwalter des Klävemannstiftes, große Verdienste erworben. Auch in seinem kaufmännischen Berufe, als Direktor der Oldenburgischen Spar- und Leih-Bank und späterer Vorsitzender des Aufsichtsrats bekundete er hervorragende Tüchtigkeit. Einer der volkstümlichsten und verdienstvollsten Männer der Stadt aber wurde er durch die Leitung des 1859 gegründeten Oldenburger Turnerbundes, dessen Sprecher er von 1863 bis 1919 gewesen ist. Besonders in dieser Stellung hat er durch seine rein menschlich und vaterländische Gesinnung vorbildlich gewirkt. Die nach ihm benannte Straße mündet in ihrer Verlängerung neben dem Ministerialgebäude an Wittschiebes Teich gegenüber dem Grundstück, auf dem die Turnhalle des Turnerbundes, der Ort seines turnerischen Wirkens, sich erhebt.

 

Ratsherr Schulzestraße

Im Jahre 1897 erhielt der Holzhändler Hustede die Erlaubnis, über seine am Haarenufer liegenden Gründe ein Straße anzulegen, führte aber infolge von Vermögensverfall seinen Plan nicht ganz aus. Nachdem die Straße bereits am 11. April 1901 ihren jetzigen Namen erhalten hatte, wurde sie von dem Rentner Ovye, dem Käufer der Hustedeschen Gründe, 1904 planmäßig bis zu einem öffentlichen Wasserzug, dem alten Haarenbett, ausgebaut. 1905 beschloß der Magistrat, die Ratsherr Schulzestraße bis zum Everstenholze zu verlängern, doch wurde dies durch den Bau des neuen Ministerial- und des Landtagsgebäudes sowie der Emmichbrücke bis 1916 verschoben. Ratsherr Schulze, ursprünglich Besitzer einer Lohgerberei auf dem Gerberhof, wohnhaft am jetzigen Haarenufer neben der Turnhalle, war bis 1873 Magistratsmitglied. Er und seine nach ihm (1891) verstorbene ledige Schwester haben aus ihrem bedeutenden Vermögen testamentarisch die Schulzestiftung begründet (Kapital fast 150 000 Mark, Unterstützung von kranken oder hilfsbedürftigen älteren Personen, Diakonissen und Epileptischen).

 

Richtweg

Dieser - unbewohnte - Verbindungsgang zwischen Herbartstraße und Meinardusstraße (heute dort Lindenallee) erhielt seinen Namen 1895.

 

Roggemannstraße

1845 ein Gemeindenebenweg ohne Namen zwischen den Gründen des Proprietärs Overbeck und des Advokaten Cropp von der Gartenstraße nach den Dobbenwiesen führend, 1851 auf Hotes' Plan noch ohne Wohnhäuser, nach Strackerjan 1856 "entstanden". In den Akten wird sie von 1856 bis 1875 Dobbenstraße genannt, später 1. Dobbenstraße. Von den beiden Dobbenstraßen scheint sie die ältere zu sein (nicht, wie es nach Strackerjans Angaben der Fall wäre, die 2. Dobbenstraße). Um häufigen Verwechselungen mit der 2. Dobbenstraße abzuhelfen, schlug man 1895 für die erste den Namen Anton Günterstraße vor. Man sah jedoch zunächst von einer Umnennung ab. Am 30. Januar 1901 wurde sie zu Ehren des am 7. Februar 1900 verstorbenen Oberbürgermeisters Dr. Roggemann, der auch in dem Eckhaus Hindenburgstraße 1 gewohnt hatte, Roggemannstraße genannt. Über die "Dobben" vgl. "Dobbenstraße".

 

Roonstraße

Als in der Magistratssitzung vom 16. Dezember 1876 die Namen für die auf den Dobben vorgesehenen Straßen festgestellt wurden, erhielt "die vom Theaterwall ab mit einer Brücke über den Stadtgraben in südwestlicher Richtung in die Dobben führende Straße" den Namen Roonstraße. Im folgenden Jahre wurde daran das erste Haus gebaut. 1890/91 wurde die Strecke von der Bismarckstraße bis zur Herbartstraße, dann zur Meinardusstraße, angelegt, nach der Landesausstellung von 1905 fand eine weitere Verlängerung bis zur Ratsherr Schulzestraße statt. 1914 wurde der Abschnitt von der Bismarckstraße bis zur Ratsherr Schulzestraße nach Hindenburg benannt. - Albrecht von Roon (1803-1879) preußischer Kriegsminister seit 1859, Schöpfer der prußischen Heeresreorganisation, auf der die kriegerischen Erfolge von 1864, 1866 und 1870/71 beruhten.

 

Rummelweg

Die Entstehung des Rummelweges ist aktenmäßig nicht festzustellen. Er kommt schon 1754 unter seinem heutigen Namen vor und ist damals schon ausbesserungsbedürftig. Gleichzeitig trägt er aber einen anderen Namen, Neuer Weg, und unter diesem erscheint er bereits 1727. Vermutlich dürfen wir seine Anlegung mit der 1644 erfolgten Verlegung der Gerberhütten nach dem heutigen Gerberhofe in Verbindung bringen, da die Schuhmacher doch eines Weges bedurften, um von der Stadt aus über die Haarenniederung dahin zu gelangen. Zuerst hieß er nun "der neue Weg", ein Name, der sich länger als hundert Jahre hielt, wie die Neue Straße ihren Namen sogar von 1526 her behalten hat. Die Bedeutung des Namens Rummelweg beleuchtet eine Aktennotiz von 1758, die sich auf die Unterhaltungspflicht von Interessenten an dem sog. "2. Wege im Eversten" bezieht: "Dieses müssen diejenigen Personen, die neu Land bekommen vors erste in einem Rummel oder gemeinschaftlich machen." Ob hiermit der jetzige Rummelweg gemeint ist, ist nicht ganz klar; aber da auch er ein Interessentenweg war, müssen mindestens ähnliche Verhältnisse bei ihm obgewaltet haben, d. h. der Weg war nicht in verschiedene Pfänder geteilt, sondern die Kosten wurden für den Kopf (durch Repartition) berechnet. Er war ein Intessentenweg und schon 1754 mit Bäumen besetzt. Die alte Haaren, von der noch ein Überrest an seiner östlichen Seite zu erkennen ist, muß er mittels einer Brücke überquert haben, die dann bald nach den Freiheitskriegen mit dem Haarenbett an die Ofener Landstraße verlegt wurde. Erst 1901 scheint er in den Besitz der Stadt übergegangen zu sein, die am 30. März den Namen Rummelweg amtlich anerkannte. Seit 1910 ist er, ursprünglich ein Fußweg, durch Schuttabladen allmählich zu einem Fahrweg verbreitert worden, und durch Niederhauen von 45 Ulmen ist Platz geschaffen. Das anliegende Gelände, der "Kaiserdobben", ist oder wird augenblicklich erhöht, und sobald die Bautätigkeit wieder einsetzen kann, wird sich hier bis zum Prinzessinwege hin ein neuer Stadtteil entwickeln.

 

Tannenstraße

Ursprünglich "Weg hinterm Gerberhofe", von 1805 an nachweisbar, seit dem 30. Januar 1901 amtlich in Tannenstraße umgeändert. Dieser Name erklärt sich vielleicht aus dem am Wege belegenen "Tannenkamp." 1832 wird ein "Gerh. Hellms zum Tannenkamp" unter den Anwohnern genannt, und 1805 kommt zugleich ein "Weg hinter Gerd Helms Kampen" vor.

 

Taubenstraße

Angelegt 1896 vom Bauunternehmer Frühstück auf den vormals Siefertschen Gründen, erhielt die "Verbindungsstraße zwischen Holzweg und Gartenstraße", an der damals zwei Häuser erbaut waren, am 23./24. Juli 1897 auf Vorschlag des Oberbürgermeisters Roggemann den Namen Taubenstraße (anscheinend nur aus Rücksicht auf den Wohlklang oder die durch den Namen erweckte Vorstellung erwählt). Passender wäre Teichstraße gewesen, da sie am Ostufer des Overbeckschen Teiches entlang führte, der erst 1905 zugeworfen wurde.

 

Teichstraße

Über die Entstehung der Straße enthalten die Akten nichts Näheres. Sie liegt in der Gegend, wo die Unternehmer Oltmanns und Frühstück ihre Straßen gemäß dem Dobbenbebauungsplan anlegten. 1889 beschloß der Magistrat, sie "am Dobben" zu nennen, anscheinend führte man aber den Beschluß nicht aus, denn am 23. Dez. 1891 entschied sich der Magistrat zum ehrenden Angedenken an den Dichter Julius Mosen für "Mosenstraße", die Zustimmung des einzigen damals in O. lebenden Sohnes von Mosen, des Oberbibliothekars Dr. Reinhard Mosen, vorausgesetzt. Dieser bat aber davon abzusehen, da die Straße besser als Verlängerung der zweiten Dobbenstraße aufgefaßt werde, und nun, am 11. März 1891 wählte der Magistrat den Namen Teichstraße, da sonst die ganze zweite Dobbenstraße im Brandkassenregiser mit umgeschrieben werden müßte. Der Name bezeiht sich jedenfalls auf Overbecks, später Sieferts Teich, der damals noch östlich vom Everstenholze lag und 1905 zugeschüttet wurde, doch führte die Teichstraße nicht gerade darauf zu. Besser hätte die Bezeichnung auf die später gebaute Tauben- oder Meinardusstraße (Strecke am Holze) oder auf den Holzweg gepaßt.

 

Theaterwall

Die Strecke des alten Festungswalles vom Haarentor bis zur Gaststraße wurde schon unter Herzog Peter Friedrich Ludwig (um 1800) niedergelegt. Die hier entstandene Straße wurde nach dem auf einer früheren Wallbastion 1832 gebauten Theater die Theaterstraße genannt. Erst, nachdem auch der Wallabschnitt Gaststraße-Everstentor eingeebnet war (1840), wurde diese bis zu dem damals entstehenden Kasinoplatz fortgeführt, und 1844 war die "Regulierung des Walles zwischen Gartenstraße und Haarentor" durch eine "höchsternannte Kommission" beendigt. Bauplätze waren ausgegeben, die Straße abgemessen, aber nur für Fußgänger und Spazierfahrten freigegeben. 1850 findet sich zum ersten Mal in den Akten der Ausdruck Theaterwall, von 1870 an wird er ausschließlich gebraucht. 1881 wurde ein neues Theatergebäude an der Fortsetzung der Gaststraße errichtet und da alte abgebrochen. Als das neue schon nach 10 Jahren abbrannte, wurde der heutige Bau an seine Stelle gesetzt. 1909 ging der Theaterwall mit den übrigen Wällen in den Besitz der Stadt über und erhielt sein heutiges, gepflegtes Aussehen. Von den Baumreihen (Linden), auch hier ursprünglich vier an der Zahl, ist nur noch eine erhalten geblieben.

 

Unter den Eichen

Die Straße ist in den Jahren 1910 bis 1913 auf dem Ausstellungsgelände von 1905 (s. den allgemeinen Teil) von einem Unternehmerkonsortium (Dincklage, Brandes, Garnholz) angelegt worden. Der Stadt wurde damals eine Ecke des Eversten Holzes zur Wegemasse abgetreten und die Einfassung weiter zurückgesetzt. Der Großherzoglichen Hausfideikommißdirektion wurde dagegen auf ihren Wunsch stadtseitig zugesichert, daß die am Rande des Holzes stehenden alten Eichen in der Entwicklung ihrer Zweige nicht behindert werden sollten. Nachdem die Unternehmer anfangs den Namen Friedrich Augustpromenade vorgeschlagen hatten, entschied man sich am 6. September 1910 auf Anregung des Konsortiumsmitgliedes Garnholz für die Bezeichnung Unter den Eichen. Nach dem Bebauungsplan soll die Straße bis zur Wichelnstraße durchgeführt werden und hier in die Tannenstraße übergehen.

 

Vogelstange

Jetzt ein Weg, der vom Prinzessinwege aus nach Osten und dann im rechten Winkel nach Süden zur Gärtnerstraße führt. Da beide Schenkel dieses Weges noch 1862 als Wege nach der Vogelstange bezeichnet werden, so muß die Vogelstange in der Gegend des Winkels gestanden haben. Es handelt sich hier um eine jener oben mit einem hölzernen Vogel versehenen Stangen, an denen des Sonntags oder bei Volks- und Schützenfesten die Schützen ihre Kunst übten oder bewiesen. Für die Grafschaft Oldenburg erschien 1689 sogar eine Verordnung, daß an dienlichen Orten Ziel- oder Vogelstangen aufgerichtet werden sollten, damit die Untertanen auf dem Lande sich Gewehre anschafften und an deren Gebrauch wieder gewöhnten. Nach solchen Stangen nannte man, auch wenn sie wieder verschwunden waren, noch die Umgebung. Vgl. "bei der Vogelstange" in Wildeshausen und Friesoythe, "Papagoyenkamp" in Ganderkesee (Ramsauer). In Oldenburg zuerst 1826 "an der vormaligen Vogelstange", 1866 erste Erwähnung der Vogelstange als Straße

 

Wichelnstraße

Schon 1754 die "sogenannte Wichelnstraße". Im Wegeregister 1862: "Wichelnstraße vom Fußwege hinterm Auskündigerplacken bis zum Grenzpfahl beim Eingangswege nach dem Eversten Holz." Ursprünglich nur mit kleinen Arbeiterwohnungen besetzt, erhielt die Straße durch eine Verbreiterung 1908 und den Anbau mehrerer schönen Häuser ein besseres Aussehen. Wicheln = Weiden (mittelniederd. wichele, Weidenbaum. Das Wort sehr häufig gebraucht in Gorch Fock, Seefahrt tut not. Nach einer Verordnung von 1706 sollen die Eingesessenen der 4 oldenburgischen Marschvogteien auf allen Landwegen zur Gewinnung von Schlengenmaterial Wicheln pflanzen).

 

 


 

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© Bernward Grosse 2007-06-16

 

 


 

 

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