Der Verkehrsversuch Einbahnregelung Theaterwall

Schreiben an die Fraktionen der im Stadtrat vertretenen Parteien

 

Architekt Dipl.-Ing. Bernward Große . Herbartstraße 15 . 26122 Oldenburg . Tel.: 0441 / 7 58 47

 

 

 

. Bernward Große, Herbartstr. 15, 26122 Oldenburg .

 

Stadt Oldenburg

Postfach

 

26105 Oldenburg

Oldenburg, 07. Juni 2002

 

Verkehrsversuch „Einbahnstraße Theaterwall"

hier: Beeinträchtigung des Dobbenviertels

 

Bezug: Ratsbeschluss vom Dezember 2001 zur Einführung des Verkehrsversuches

 

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

 

gegen den Ratsbeschluss vom Dezember 2001 erhebe ich hiermit Einspruch.

 

Begründung:

 

Die Verkehrsversuch „Einbahnstraße Theaterwall" hat zu einem erheblichen Zuwachs an Verkehrsaufkommen im Dobbenviertel geführt. So wurden aus verkehrsberuhigten Wohnstraßen nun Straßen des Durchgangsverkehrs, insbesondere für in südliche Richtung fahrende Fahrzeuge, die von der Peterstraße, dem Wall oder der Ofener Straße kommen.

 

Da die Stadt Oldenburg das Glück hatte, von den Zerstörungen der beiden Weltkriege dieses Jahrhunderts weitgehend verschont zu bleiben, können wir noch heute große Teile der damals entstandenen Bauwerke bewundern, wobei insbesondere nicht nur das Dobbenviertel aufgrund des Gutachtens des Europarates von 1981 wegen seiner bemerkenswerten Architektur weit über Oldenburg hinaus Bekanntheit erlangt hat (Zitat aus Götz Frank: Baufreiheit und Wegeplanung im Großherzogtum Oldenburg des ausgehenden 19. Jahrhunderts).

 

Die Erhaltungswürdigkeit vorhandener Strukturen wird auch in den Begründungen zu den Bebauungsplänen M - 390 B und M – 390 C umfassend erwähnt und gewürdigt. Unter den Empfehlungen im Gutachten des Europarates von 1981 wird u. a. auch die Empfehlung ausgesprochen, die Verkehrsplanung hinsichtlich der Bebauungsplanung zu entwerfen und zu verwirklichen.

 

Im Zusammenhang mit dem Bebauungsplan M – 390 A wurde für das Dobbenviertel ein Verkehrskonzept entwickelt. Dabei wurde davon ausgegangen, dass die Verkehrsbelastung im gesamten Viertel für die Wohnnutzung zumutbar bleibt. U. a. sieht das Konzept vor, dem Fremd- und Schwerlastverkehr durch verkehrslenkende Maßnahmen auf die Hauptverkehrsstraßen außerhalb des Dobbenviertels (Ofener Straße / Innerer Ring / Gartenstraße) zu führen.

 

In einem Bereich des Wohnviertels wurde 1991 Verkehrslärm tags von 65 dB (A) und nachts von 56 dB (A) gemessen. Diese Werte liegen erheblich über den Immissionsgrenzwerten der Verkehrslärmschutzverordnung – 16. BImSchV vom 12. Juni 1990, die für Wohngebiete mit 59 dB (A) am Tag und mit 49 dB (A) in der Nacht festgesetzt sind.

 

Bei der Aufstellung der Bebauungspläne M - 390 B und M - 390 C wurden die Bestrebungen, den Verkehrslärm im Dobbenviertel zu mindern schon nicht mehr mit der Konsequenz verfolgt, wie dies noch bei der Aufstellung des älteren Bebauungsplanes M - 390 A der Fall war.

 

Gänzlich außer Acht gelassen wurden die ursprünglichen Zielsetzungen, den Verkehrslärm im Dobbenviertel zu mindern, mit dem Gesamtverkehrskonzept 2000, als der Straßenzug Roonstraße – Hindenburgstraße – Tirpitzstraße – Gerberhof als Hauptverkehrsstraße deklariert wurde.

 

Durch das erhöhte Verkehrsaufkommen im Zuge des Verkehrsversuches „Einbahnstraße Theaterwall" wurde die Wohnqualität des als „Besonderes Wohngebiet", als „Allgemeines Wohngebiet" und sogar des teilweise als „Reines Wohngebiet" ausgewiesenen Geltungsbereiches der Bebauungspläne M – 390 A bis M – 390 C erheblich gemindert.

 

Ich sehe in dem Verkehrsversuch eine eklatante Missachtung der einst mit der Aufstellung der rechtsverbindlichen Bebauungspläne M – 390 A bis M – 390 C manifestierten Ziele.

 

Ich bitte, innerhalb des erforderlichen Bearbeitungszeitraumes, um einen rechtsmittelfähigen Bescheid zu meinem Einspruch.

 

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

 

gez. Bernward Große

 

Bernward Große

 


 

Architekt Dipl.-Ing. Bernward Große . Herbartstraße 15 . 26122 Oldenburg . Tel.: 0441 / 7 58 47

 

 

 

. Bernward Große, Herbartstr. 15, 26122 Oldenburg .

 

«Partei»

«Anschrift»

 

«Postleitzahl»   «Ort»

 

Oldenburg, 12. Juni 2002

Verkehrsversuch „Einbahnstraße Theaterwall"

hier: Beeinträchtigung des Dobbenviertels

 

Anlg.: Meinen Einspruch gegen den Ratsbeschluss vom Dezember 2001 zur Einführung des Verkehrsversuches

 

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

 

die neue Verkehrslenkung auf dem Theaterwall und in der Lindenallee haben zu einem erheblichen Zuwachs an Verkehrsaufkommen im gesamten Dobbenviertel geführt. So wurden aus der verkehrsberuhigten Wohnstraßen Straßen des Durchgangsverkehrs, insbesondere für in südliche Richtung fahrende Fahrzeuge, die von der Peterstraße, dem Wall oder der Ofener Straße kommen.

 

Als betroffener Bürger habe ich gegen Ihren einstimmigen Ratsbeschluss vom Dezember 2001 zur Einführung des Verkehrsversuches Einspruch erhoben. Mein Einspruch vom 07. Juni 2002 liegt diesem Schreiben bei. Ich bitte um Kenntnisnahme der Begründung.

 

Hier die Daten, zu denen die erwähnten Bebauungspläne rechtsverbindlich wurden:

M 390 A wurde am 10.06.1983 rechtsverbindlich,

M 390 B wurde am 23.05.1997 rechtsverbindlich,

M 390 C wurde am 13.12.1996 rechtsverbindlich.

 

Ich fordere Sie hiermit auf, einen Beschluss über den sofortigen Abbruch des Verkehrsversuches herbeizuführen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

 

gez. Bernward Große

 

Bernward Große

 


 

Architekt Dipl.-Ing. Bernward Große . Herbartstraße 15 . 26122 Oldenburg . Tel.: 0441 / 7 58 47

 

 

 

. Bernward Große, Herbartstr. 15, 26122 Oldenburg .

 

«Partei»

«Anschrift»

 

«Postleitzahl»   «Ort»

 

Oldenburg, 20. Juni 2002

 

Verkehrsversuch „Einbahnstraße Theaterwall“

hier: Beeinträchtigung des Dobbenviertels

 

Bezug:      Sitzung des Verkehrsausschusses der Stadt Oldenburg am 19. Juni 2002

 

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

 

die gestrige Sitzung des Verkehrsausschusses hat nach meinem Eindruck vielen Mitgliedern und den anwesenden, betroffenen Bürgerinnen und Bürger ganz offensichtlich die Inkompetenz der Verwaltung und des Planungsbüros Schnüll-Haller und Partner aus Hannover vor Augen geführt.

 

Die Mitglieder des Verkehrsausschusses erhielten die Vorschläge zur Nachbesserung des Verkehrsversuches viel zu kurzfristig zur Kenntnis, sofern sie hierüber nicht schon vorher durch die Presse informiert waren.

 

Frau Opphard gab den Mitgliedern des Verkehrsausschusses zu Beginn der Sitzung einen Verkehrsversuch aus Köln zur Kenntnis, den sie erst tags zuvor erhalten habe. Einigen Mitgliedern der Bürgerinitiative Dobbenviertel ist dieser Versuch, bei dem die Bürger lange vorher intensiv beteiligt wurden, schon seit längerem bekannt. Dieser Versuch ist in keiner Weise mit dem Verkehrsversuch in Oldenburg vergleichbar. Sollte durch die Präsentation den Mitgliedern des Verkehrsausschusses Sand in die Augen gestreut werden?

 

Nicht nur graphisch schlecht aufgearbeitet wurde dann die „Verschlimmbesserung“ für das Dobbenviertel dargestellt. Es folgte eine heftige Diskussion zwischen den Mitgliedern des Verkehrsausschusses und eine gezielte Befragung der Verwaltung und des Planungsbüros. Von Befragung zu Befragung wurde immer deutlicher, dass bei der Ausarbeitung des Verkehrskonzeptes schlampig gearbeitet wurde.

 

Eine sorgfältige und umfassende Analyse des Bestandes ist vor Aufstellung des Verkehrskonzeptes nicht im erforderlichen Umfang erfolgt. Es wurde zugegeben, dass unter anderem dem Planungsbüro für eine Computersimulation nicht die erforderlichen Daten zur Verfügung gestanden haben.

 

Wenn diese unabdingbare Analyse des Bestandes nicht ausreichend erfolgt ist, verdient das Verkehrskonzept nicht diesen Namen, sondern es ist ein reines Zufallsprodukt, dessen Auswirkungen ja nicht die Verkehrsplaner, sondern die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Oldenburg zu spüren bekommen. In diesem Fall sind es die Anwohner im Dobbenviertel.

 

Lange und ausgiebig wurden die Methoden der Verkehrszählungen geschildert. Es wurde zugegeben, dass nicht ausreichend Zähler zur Verfügung standen, um all die Zählungen durchzuführen, die für die o. g. Analyse erforderlich gewesen wären. Auch für die Verfolgung des laufenden Versuches sind die Zählungen nicht ausreichend.

Bei den Zählungen wird außer Acht gelassen, dass es in Oldenburg ein Verkehrsverhalten gibt, welches sich außerhalb der Norm befindet. In Oldenburg ist nämlich das Verkehrsverhalten sehr stark vom Wetter abhängig. Ist schönes Wetter benutzen die Oldenburger sehr häufig ihr Fahrrad, ist das Wetter aber schlecht, fahren mehr Autos in der Stadt als sonst. Gezählt wurde aber nach Norm, also für Oldenburg falsch!

Speziell für das Dobbenviertel ist zu beobachten, dass es eine Verkehrsspitze zwischen 22 Uhr und 23 Uhr gibt. Viele Autofahrer kommen dann aus Abendveranstaltungen und nutzen unsere Wohnstraßen, um an ihr Ziel im Stadtsüden zu gelangen. Auch diese Tatsache wurde bei allen Zählungen außer Acht gelassen.

 

Es gibt eine ganze Reihe von Berufen, die in den Regress genommen werden, wenn ihnen vergleichbare Fehler unterlaufen. Aber hier werden großartig Steuergelder vergeudet, die an anderer Stelle notwendiger gewesen wären.

 

So stellte sich bei den Befragungen ferner heraus, dass der Theaterwall weder unfallträchtig war, noch für den Busverkehr wesentliche Probleme darstellte. Wieso dann also, bitte sehr, dieser völlig unsinnige und teure Verkehrsversuch?

 

Und dann noch schnell ein Nachbessern, welches weitere 5.500,-- Euro Steuergelder verschleudern soll. Mit hastiger Nadel wurde dieser Vorschlag gestrickt, um aufgeschreckte Geister zu beruhigen. Hier wird der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben. Nach wie vor fehlt es an der grundlegenden Analyse. Nach wie vor fehlt es an simulierten Gesamtverkehrskonzepten. Nach wie vor wird mit Ignoranz das ehemalige Ziel außer Acht gelassen, das Dobbenviertel als ein erhaltenswertes, historisches Wohnviertel vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

 

Aus ökonomischen und ökologischen Gründen kann ich Ihnen nur zum sofortigen Abbruch des Verkehrsversuches raten. Danach sollte durch ein kompetenteres Team, bestehend aus Fachkräften und Bürgern nach besseren Möglichkeiten zur Verkehrsberuhigung im gesamten Dobbenviertel gesucht werden. Meine Mithilfe durch konstruktive Kritik biete ich Ihnen hiermit an.

 

Mit freundlichen Grüßen,

   

gez. Bernward Große

 

Bernward Große

 

 


 

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